Keine Wolle

19. April 2009

 
Aber so ähnlich.

…die Caricia.
 

 

Acht Musterwiederholungen habe ich bisher gestrickt, das entspricht der kleinsten Version. (Auf dem Foto sind es sieben).

Vorgenommen habe ich mir die größte, mit 14 Wiederholungen, um so viel wie möglich der kostbaren Seasilk aufzubrauchen.
Theoretisch zumindest, praktisch bin ich unschlüssig, ob mir diese mit einer Kantenlänge von ca. 210cm nicht zu groß und zu wenig “alltagstauglich” ist. -Sofern man bei einem goldseidenen Lacetuch überhaupt von Alltagstauglichkeit reden kann.

Die Möglichkeit, daß mir meine Geduld vor der Wolle ausgeht, besteht natürlich immer… Wobei, momentan bin ich guter Dinge:
Ich habe das Muster inzwischen so verinnerlicht, daß es sich wie von selbst strickt. Nicht auswendig, dafür ist es zu komplex, aber zumindest intuitiv. Ich weiß, welche Maschen an welcher Stelle kommen, merke Fehler sofort und brauche den Chart nur noch als Gedächtnisstütze.

Anders gesagt: Da ist er wieder, diese angenehme Zustand, wie auch zuletzt beim Lace Ribbon Scarf. Ich bin völlig zufrieden mit mir und dem Projekt, könnte ewig so vor mir hin stricken, fertig werden ist zweitrangig.

Oder nein, fertig werden wäre zweitrangig, wenn ich nicht in rund sieben Wochen in den Urlaub fahren würde und mir vorgenommen hätte, mich in den lauen Sommernächte am Mittelmeer mit der Caricia zu schmücken. Ein bisschen muß ich mich also ranhalten.

Sinnigerweise habe ich mir die Sea Silk eigentlich gekauft, um sie in genau diesem Uraub zu verstricken. Seide und Seegras schienen mir äußerst passend für ein entspannendes Urlaubsprojekt, besondere Fasern für eine besondere Umgebung.

Aber dann dachte ich an mein geliebtes Sommerkleid aus beigefarbenen Leinen, daran wie gut das Garn dazu passen würde, an die knapp bemessenen lauen deutschen Sommernächte… Und durchforste seitdem das Netz nach einem neuen luxuriösen Urlaubsgarn für ein besonderes Reiseandenken. Mal sehen… In eines habe ich mich schon verguckt, vom Kauf hat mich meine Vernunft bislang noch abgehalten…

Frohe Ostern!

13. April 2009

Mein Résumé der vergangenen Tage:

Eier gefärbt.

 

 

Wolle gefärbt.

 

 

In meeresgrün und grasgrün.

Vor allem erstere finde ich himmlisch. Vielleicht wird sie heute noch angestrickt.

 

 

Osterlamm gebacken.

 

 

Außerdem:

Die Sonne genossen.

Eis gegessen…

…sowie den ersten Spargel des Jahres.

Zwei Messen gesungen, leicht erkältet.

In Konsequenz dessen heute nicht mehr leicht sondern stark erkältet.

Folglich heute: Tag auf dem Sofa, mit Strickzeug und Tee. Gar nicht mal so übel.

 

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Ostermontag! Genießt das gute Wetter, heute und an den kommenden Tagen!

doch erquickend

4. April 2009

Quizfrage: Was fehlt auf diesem Bild?

Richtig! Das obligatorische Centstück.

Deshalb zur Orientierung: Das ist eine Ashfordspindel mit einem Wirteldurchmesser von 60mm, Gewicht 28g/1 oz. Das Garn ist also recht fein.

Ihr glaubt nicht, wie stolz ich darauf bin!

Meine ersten Spinnversuche machte ich letzten Herbst und fand sie nicht sehr ermutigend. Zwar gelang es mir irgendwie einen Faden zu produzieren, das “wie” hatte aber herzlich wenig Ähnlichkeit mit diesen fließenden, eleganten Bewegungen, die in den zahlreichen Drop-Spindle-Videos auf YouTube bewundern konnte.
Ich war unzufrieden, konnte aber beim besten Willen nicht sagen, woran es hakt, was ich falsch mache. Frustriert verbannte ich die Kiste mit Spinnfasern und Spindeln unter mein Bett.

An meiner Bewunderung für die herrlichen handgesponnenen Garne auf ravelry änderte das natürlich genauso wenig, wie an meinem Wunsch selbst spinnen zu können.

Lange bin ich um die vielen wunderschön gefärbten Kammzüge in den Online Shops herumgeschlichen… Bis ich kürzlich nicht länger widerstehen konnte und bei Spindlefrog zugeschlagen habe. Auch in der Hoffnung, bunte Fasern würden mich mehr motivieren als langweilige naturfarbige “Übewolle”, mit der ich hinterher sowieso nichts rechtes anzufangen weiß.

Ganz schönes Muffensausen hatte ich, als ich mich dazu überwunden hatte, den Kammzug zu zerteilen und die Spindel in die Hand zu nehmen… Auf eine längere Übephase und viele der berüchtigten “schwangeren Regenwürmern” hatte ich mich eingestellt.

Die ersten Meter waren holprig.
Doch dann, ohne daß ich hätte sagen können, was ich eben noch anders gemacht hatte, “lief” es plötzlich. Die Spindel drehte sich beständig an einem immer länger werdenden Faden zu Boden, oben zog ich leicht und gleichmäßig Fasern nach; wickelte Garn auf; drehte die Spindel wieder an. Und konnte kaum glauben, was ich tat.

Ein echtes Aha-Erlebnis, ähnlich den ersten frei gefahren Metern auf dem Fahrrad als Kind oder dem ersten erfolgreichen Versuch drei Bälle zu jonglieren. -Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Erlebnis dieser Art hatte.

Diese Hochphase dauerte etwa zehn Minuten. Dann fing ich an, den Prozess bewußt zu analysieren. Mit der Konsequenz, daß von einem Moment auf den nächsten überhaupt nichts mehr klappte, ich mich fast ungeschickter anstellte als zuvor und ein kleines bisschen an meinem Verstand zweifelte.
Aber zum Glück war auch das nicht von Dauer und ich schnell wieder im “Flow”.

Mittlerweile geht mir das Spinnen leicht von der Hand; verbesserungswürdig ist es natürlich noch allemal.

Ich genieße es, es ist eine schöne meditative Tätigkeit. Immens zeitaufwendig allerdings, was in mir die Neugier weckt, wie schnell es wohl mit einem Spinnrad gehen würde… Aber wirklich nur die Neugier, ich plane nicht ernsthaft mir eines zuzulegen. Im Moment zumindest noch nicht.